Was ist Maltherapie?

Die Wirkung der Kunst ist nicht nur im Alltag spürbar und nutzbar, sondern auch im therapeutischen Umfeld hat man ihre Kraft entdeckt. Daher haben sich im Lauf der Zeit viele Psychogen und Therapeuten damit beschäftigt, die Maltherapie als Methode zu entwickeln. Die relativ junge Therapieform kam in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf und hat sich seitdem kontinuierlich weiter entwickelt. Als Vater der Maltherapie beziehungsweise der Kunsttherapie gilt der britische Künstler Edward Adamson, der zusammen mit Adrian Hill, ebenfalls Künstler und Kunsttherapeut, mit Klienten in psychologischen Anstalten arbeitete. Das Bestreben der beiden war es, die Klienten zu selbstbestimmtem Handeln anzuregen; eine Erfahrung, die gerade für langjährige Insassen mentaler Anstalten eine neue und sehr heilsame Erfahrung war.

Interessanterweise haben die Kunstwerke, die im Rahmen einer Maltherapie entstanden sind, auch das Interesse der Kunstwelt erweckt, in der die Werke unter den Begriffen „Art brut“ (in etwa rohe Kunst) oder Outsider Art bekannt geworden sind. Diese Kunstform folgt den Spuren bekannter Maler, die keine formelle Ausbildung erhalten hatten wie Goya, Hieronymus Bosch oder Arcimboldo, und dennoch außerhalb der jeweiligen Grenzen ihrer Zeit formidable Kunstwerke gestaltet haben. Die Idee der Förderer war es, auf zu zeigen, dass es sich um Kunst handeln kann, auch wenn der Künstler geistig als nicht gesund angesehen wurde – man unterscheide ja auch nicht die Kunstwerke von Magenkranken oder Kniekranken, sondern beurteile ausschließlich das entstandene Werk, so die Befürworter.

Zwei Ansätze in der Maltherapie

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Ansätzen in der Maltherapie unterscheiden, die jeweils einen anderen Fokus haben.

  • Der anthroposophische Ansatz
    Der anthroposophische Ansatz fokussiert nicht auf den Inhalt der Bilder, sondern auf die Farbgestaltung und auf den Prozess des Malens, der bestimmte Zustände und Gedanken hervor ruft. Die Farben geben dabei Aufschluss über die innere Befindlichkeit und Konstitution des Menschen. Dunkle, trübe Farben weisen eher auf einen negativen Blick auf die Welt hin, helle und leuchtende hingegen zeigen positive Anteile auf. Hierbei spielt die Farbenlehre von Johann Wolfgang von Goethe eine große Rolle, der eine Theorie entwickelt hatte, welche Farben wie auf die Psyche wirken. In der anthroposophischen Richtung wird oft mit Aquarellfarben gearbeitet, weil deren Verhalten und Transparenz den Malprozess besonders intensiv gestalten.
  • Der tiefenpsychologische Ansatz
    In der Tiefenpsychologie versteht man die Maltherapie als zweistufiges Verfahren, wobei die erste Stufe das Malen des Bildes und die zweite Stufe dessen Auswertung ist. Die Idee bei diesem Verfahren ist dabei, dass die Bilder Visualisierungen von unbewussten Gedanken, Konzepten und Emotionen sind und so wertvolle Aufschlüsse geben können. Nachdem der Klient das Bild gemalt hat, spricht er mit seinem Therapeuten darüber, um Erkenntnisse über innere Vorgänge zu gewinnen, die der rein rationalen Erkenntnis nicht zugänglich sind. Aber auch bei diesem Ansatz ist der Prozess des Malens nicht unwichtig, ist er doch Zeugnis und Ausdruck der Selbstgestaltung, die ein wichtiges Element in einem Heilungsprozess dar stellt.

Die Maltherapie wird in vielen Bereichen eingesetzt, sie ist besonders bei Patienten wirksam, denen es an verbalen Ausdrucksmöglichkeiten mangelt. Das sind oft Kinder, die ihre traumatischen Erlebnisse besser in Bildern als in Worten ausdrücken können, aber auch Erwachsene, die zum Beispiel nicht über ein Trauma reden können, es aber in Bildern schildern können. Auch zum Abbau von Aggressionen und zur Stärkung des Gefühls von Selbstbestimmung wird die Maltherapie eingesetzt, so hat man damit zum Beispiel sehr gute Erfahrungen im Umgang mit Gefängnisinsassen gemacht.

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