Wie Lebenskarten in Selbsthilfegruppen eingesetzt werden können

In den letzten Jahren finden sich in verschiedenen Bereichen immer mehr Selbsthilfegruppen zusammen. Menschen, die das gleiche erlebt oder erlitten haben, haben ein großes Verständnis für einander haben und können sich oft besonders gut gegenseitig helfen. Damit eine Selbsthilfegruppe auch nützlich ist, benötigt sie natürlich Struktur und Hilfsmittel, mit denen die Sitzungen gestaltet werden können.

Ein sehr beliebtes Hilfsmittel für den Gesprächseinstieg in Selbsthilfegruppen sind die Lebenskarten. Das Besprechen der Inhalte der Karten, beispielsweise in der Vorstellungsrunde, ermöglicht dabei ein schnelles und sehr offenes Kennenlernen der anderen Teilnehmer.

Therapiekarten

Die Lebenskarten sind eine Bereicherung für alle, die – ggfs. neben einer Therapie – an sich selbst arbeiten wollen.

Prof. Dr. Luise Reddemann, Nervenärztin und Psychoanalytikerin; entwickelte die Psychodynamisch-Imaginative Traumatherapie (PITT)

Mehr über Selbsthilfegruppen?

Unter Selbsthilfegruppen versteht man den Zusammenschluss von Menschen, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben und in der Gruppe diese Probleme lösen möchten. Oft entstehen diese Gruppen, weil die betroffenen Menschen anderweitig keine Hilfe finden oder aber diese nicht bezahlen können. Das Themenspektrum ist sehr breit, es reicht von der Sucht über die Trennung bis hin zur Trauerbewältigung.

Ziele von Selbsthilfegruppen

Die meisten Selbsthilfegruppen verfolgen mehrere Ziele:

  • Erfahrungsaustausch
    Ein sehr wichtiges Ziel von Selbsthilfegruppen ist der Erfahrungsaustausch. In der Gruppe kann man seine emotionalen Befindlichkeiten bezogen auf das Problem austauschen und so erleben, dass man mit seinen Gefühlen und Gedanken nicht allein da steht. Dieses Verständnis, welches man in der Gruppe erlebt, stellt für viele Teilnehmer eine enorme Erleichterung dar, weil sie lernen, dass ihre Reaktionen völlig normal sind.
  • Praktische Unterstützung
    Eine Selbsthilfegruppe hat im Normalfall auch das Ziel, dass sich die Mitglieder gegenseitig mit praktischen Informationen unter die Arme greifen, sich auch gegenseitig in Krisen tatkräftig unterstützen. Ob es um den Umgang mit Behörden geht, die Unterstützung bei einer herausfordernden Aufgabe oder um ein paar Tipps, wie man im Alltag mit dem Problem umgehen kann, die Selbsthilfegruppe kann wertvolle Erfahrungen vermitteln.
  • Emotionale Unterstützung
    Nicht zuletzt ist die Selbsthilfegruppe eine enorme Quelle der emotionalen Unterstützung. Da sich die Teilnehmer aufgrund der ähnlichen persönlichen Erfahrungen sehr gut in einen anderen Teilnehmer hinein versetzen können, können sie auch in vielen Situationen die emotionale Unterstützung geben, die der einzelne im Moment gerade braucht.
  • Vertretung nach außen
    Eine Selbsthilfegruppe kann auch das Ziel verfolgen, die Belange ihrer Mitglieder nach außen zu vertreten. So gibt es Selbsthilfegruppen von verwaisten Eltern, die dafür kämpfen, dass bei einer Fehl- oder Totgeburt der Fötus begraben werden kann, was üblicherweise nicht der Fall ist (er wird von den Krankenhäusern „entsorgt“). Die Gruppe kann sich so dafür einsetzten, dass ein wichtiges emotionales Bedürfnis ihrer Mitglieder erfüllt werden kann.

Kritik an den Selbsthilfegruppen

Aus verschiedenen Lagern kommen unterschiedliche Kritikpunkte an den Selbsthilfegruppen. Aus dem Therapiesektor wird meistens kritisiert, dass die Gruppen oft keinen professionellen ausgebildeten Leiter haben, der die Gruppe therapeutisch betreut. Diese Kritik wird von den Mitgliedern allerdings sehr oft vehement abgelehnt, da sie ihre Gruppe auch ohne einen professionellen Leiter als extrem hilfreich empfinden.

Ein weiterer Kritikpunkt knüpft daran an, dass sich die Gruppen manchmal von der Pharmaindustrie sponsern lassen, die auf diese Weise ihre Medikamente bewerben möchte. Mittlerweile gibt es deswegen Richtlinien und Leitsätze, wie diese Zusammenarbeit aussehen sollte, um ethisch auf einem sicheren Fundament zu stehen.

Insgesamt werden die Selbsthilfegruppen allerdings als wertvolle Ergänzung zum Gesundheitssystem angesehen, da sie auf ehrenamtlicher Basis wichtige Arbeit leisten, die sonst von den Kassen bezahlt werden müsste. Daher werden viele Gruppen von den gesetzlichen Krankenkassen gefördert und erhalten finanzielle oder praktische Zuwendungen wie die Bereitstellung von Räumen oder Betreuern.

Zudem steigt die Anzahl der Selbsthilfegruppen, die das Internet als Medium nutzen. Diese Gruppen können bisher nicht von offizieller Unterstützung profitieren, nehmen an Zahl und Umfang allerdings stetig zu, da viele Teilnehmer vor Ort keine Selbsthilfegruppe gründen können.

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