Familiencoaching – systemische Familienbegleitung

In jeder Familie kann es zu Krisen oder dauerhaften Konflikten kommen. Der Auslöser kann ein Todesfall in der Familie sein, eine Krankheit eines Familienmitgliedes, eingeschliffene Verhaltensmuster und Rollenzuweisungen, die nicht mehr passen, oder die Loslösung der Kinder aus dem Elternhaus. All diese Ereignisse können in der Familie eine echte Krise auslösen, zu deren Überwindung Unterstützung z.B. in Form von Familiencoaching hilfreich ist.

Ziel der systemischen Familienbegleitung

Hinter der Idee des systemischen Ansatzes steht die Erkenntnis, dass man in einem lebendigen System wie einer Familie nie nur das „störende“ Element behandeln kann, sondern dass das System mit einbezogen werden muss. Dabei ist es das erste Ziel des Familiencoachings, Muster und Beziehungsgeflechte zu erkennen, Rollenzuschreibungen zu verstehen und die unsichtbare Dynamik innerhalb der Familie sichtbar zu machen.

Anhand dieser Informationen kann die Familie nun mit der Hilfe des Coaches daran arbeiten, eingefahrene Verhaltensweisen auf zu brechen, neue Regeln zu definieren und die Rollen samt der damit verbundenen Erwartungen neu zu formulieren. Dabei soll sich die Familie der eigenen Ressourcen bewusst werden, wieder eine gemeinsame Orientierung als Familie finden und genügend Flexibilität entwickeln, um aus der nächsten Krise wieder heraus zu finden.

Ablauf des Familiencoachings

Ein Familiencoaching kann man in drei grundsätzliche Phasen einteilen.

  1. Einstiegsphase
    Diese Phase dient dem Kennenlernen von Coach und Familie. Es wird gemeinsam geklärt, was die Familie vom Coach erwarten kann, und wie die Regeln der Interaktion aussehen sollen. Die Familie kann ihre aktuellen Probleme erläutern und gemeinsam festlegen, welche Ziele durch das Coaching erreicht werden sollen.
    In dieser Phase ist es sehr wichtig, von allen Beteiligten ein Commitment zu bekommen, auf welche Weise er oder sie sich bei dem Coaching einbringen möchte. Verweigert sich ein Familienmitglied dem Coaching, so muss der Rest der Familie sich darauf einigen, wie sie mit dieser Weigerung umgehen wollen und was sie dennoch erreichen können.
  2. Arbeitsphase
    In dieser Phase hilft der Coach der Familie, die Probleme und Strukturen innerhalb des Systems genauer zu untersuchen. Dabei stellt sich oft heraus, dass die eigentlichen Probleme an ganz anderen Stellen zu suchen sind, als zuerst angenommen wurde. Der Coach hilft der Familie dabei, neue Perspektiven zu gewinnen, alte und verkrustete Zuschreibungen und Verhaltensmuster zu ändern und neue Kommunikationsmöglichkeiten zu entdecken. Dabei unterstützt er die Familie dabei, ihre eigenen Stärken zu entdecken und diese konstruktiv zu nutzen.
  3. Abschlussphase
    In dieser Phase wird reflektiert, was erreicht werden konnte und was möglicherweise noch offen ist. Welche Ziele wurden erreicht, was funktioniert stabil im Alltag auch unter Stress? Wurden alle Rollen und Erwartungen zur Zufriedenheit der Familienmitglieder neu definiert? Hier wird auch überlegt, wie ein Familienmitglied, welches sich vom Coaching ausgeschlossen hatte, wieder integriert werden kann. Es werden weitere Entwicklungsziele festgelegt, die die nun wieder stabile Familie in Zukunft selbst angehen kann.

Methoden des Familiencoachings

Jeder systemische Coach wird seinen eigenen Werkzeugkoffer mitbringen, in dem er die von ihm bevorzugten Methoden bereit hält. In der systemischen Arbeit wird es aber sicher einige Werkzeuge geben, die fast jeder Coach einsetzen wird. Dazu zählt zum Beispiel das zirkuläre Fragen, welches dabei helfen soll, die Perspektive zu wechseln und neue Standpunkte kennen zu lernen.

Auch das Reframing gehört zu den häufig verwendeten Werkzeugen. Hier geht es darum, Dinge in einem neuen Rahmen zu betrachten, ihr verborgenes Potenzial zu erkennen und sie anders als bisher wahrzunehmen und zu interpretieren. Das Reframing kann auch sehr gut bei der Konfliktlösung eingesetzt werden, um eingefahrene Standpunkte zu lösen.

Auch eine Familienaufstellung kann im Rahmen der systemischen Familienbegleitung eingesetzt werden. Dabei werden die Beziehungen, Nähe und Distanz der einzelnen Familienmitglieder zueinander räumlich visualisiert und dargestellt und können so verborgene Blockade und heimliche Allianzen aufdecken.

Als Medium kann der Einsatz von Video sehr hilfreich sein. Dieser Blick von außen lässt die Familienmitglieder unter Umständen Muster erkennen, die sie selbst in der Situation nicht wahrgenommen haben. Oder der Coach nutzt die Lebenskarten dazu, um Ansichten über sich selbst, die eigene Rolle und gewünschte Grenzen zu kommunizieren.

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