Wie Menschen mit Dissoziativen Störungen Lebenskarten einsetzen können

Bei Dissoziativen Störungen haben sich Teile der Persönlichkeit abgespalten und führen ein Eigenleben, von dem der Rest der Person unter Umständen keine Kenntnis hat. Der oder die abgespaltenen Teile können manchmal die Regie übernehmen, so dass es für den anderen Teil der Persönlichkeit zu einer zeitweisen Amnesie kommt. Das Ziel bei der Behandlung Dissoziativer Störungen ist die Reintegration der abgespaltenen Teile. Dazu kann man zum Beispiel die Lebenskarten nutzen, indem man jedem Teil eine eigene Karte zuweist und dann nach dem gemeinsamen übergeordneten Thema sucht.

Therapiekarten

Die Lebenskarten sind eine Bereicherung für alle, die – ggfs. neben einer Therapie – an sich selbst arbeiten wollen.

Prof. Dr. Luise Reddemann, Nervenärztin und Psychoanalytikerin; entwickelte die Psychodynamisch-Imaginative Traumatherapie (PITT)

Dissoziative Identitätsstörungen – Ursachen, Behandlung & Therapie

Im Volksmund gibt es etliche Äußerungen, die ausdrücken sollen, dass man sein eigenes Handeln und Fühlen mit Unverständnis betrachtet – „Das war nicht ich“, „Da hat mich der Teufel geritten“, „Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist“. Sicher ist es völlig normal, dass manchmal ein unbewusster Aspekt der Persönlichkeit die Regie übernimmt und überraschende Reaktionen erzeugt.

Bei dissoziativen Identitätsstörungen ist dieser Zustand allerdings die Regel und nicht die Ausnahme. Diese Form der Persönlichkeitsstörung – auch unter multipler Persönlichkeit bekannt – ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Psyche des betroffenen Menschen in mehrere eigenständige Persönlichkeiten aufgespalten hat, die im schwersten Fall nichts voneinander wissen und nicht miteinander kommunizieren.

So erleben dann die jeweiligen Persönlichkeiten das Agieren der gerade aktuellen als das Handeln einer fremden Person, oder sie bekommen es überhaupt nicht mit und haben stattdessen immer große Lücken in ihrer Erinnerung. Im besten Fall kommunizieren die Persönlichkeitsanteile untereinander und legen gemeinschaftlich fest, welche Persönlichkeit in welcher Situation am angemessensten reagieren kann.

Ursachen einer dissoziativen Identitätsstörung

Als Ursache dieser Störung liegt in einer überwältigend großen Zahl eine starke Traumatisierung in der Kindheit vor. Diese Traumatisierung kann geschehen durch sexuellen Missbrauch, physische oder seelische Misshandlungen oder auch massive Vernachlässigung. Aber auch im Erwachsenenalter können längere Perioden traumatisierender Ereignisse wie Zwangsprostitution, Folter oder Kriegsgeschehen die Entstehung der dissoziativen Identitätsstörung verursachen.

Man vermutet, dass die kindliche (oder erwachsene) Psyche diese traumatisierenden Erlebnisse ohne Unterstützung nicht angemessen verarbeiten kann. Damit trotzdem Wachstum und Entwicklung statt finden können, wird der traumatisierte Teil als eigene Persönlichkeit abgespalten: „Susi“ ist Papas und Mamas Sonnenschein und hat eine glückliche Kindheit, wohingegen „Lotte“ nachts mit Papa böse und unangenehme Dinge tut. Bei diesem Konstrukt kann „Susi“ eine normale Entwicklung durch laufen, deshalb hat die Abspaltung durchaus ihren Sinn.

Behandlung und Therapie einer dissoziativen Identitätsstörung

Da dieser Störung so gut wie immer ein starkes Trauma zugrunde liegt, eignen sich zur Behandlung alle Therapieformen, die besonders gut auf Traumata ausgerichtet sind.

  • Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)
    Diese von Francine Shapiro entwickelte Therapie arbeitet mit der Vorstellung, dass durch gezielt induzierte Augenbewegungen eine Synchronisierung der beiden Gehirnhälften erreicht werden kann. Der Klient erinnert sich zum Beispiel mit Hilfe der Dissoziation an bestimmte Ereignisse des Traumas und wird gleichzeitig  zu bestimmten Augenbewegungen angeleitet. Hierdurch kommt es auch auf einer neurologischen Basis zu neuen Verknüpfungen im Gehirn, die auf Dauer zu einer Integration der verschiedenen Persönlichkeiten führen können.
  • Hypnotherapie nach Milton Erickson
    Die Hypnotherapie arbeitet mit verschiedenen Trancezuständen, die die Kommunikation mit dem Unbewussten erlauben. So können in einem solchen Trancezustand die verschiedenen Persönlichkeiten zum ersten Mal miteinander Kontakt aufnehmen und gemeinsam an einer Integration arbeiten.
  • Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie (PITT) nach Luise Reddemann
    Reddemann arbeitet ohnehin mit dem Modell verschiedener Persönlichkeitsanteile, die in einem Menschen wirksam werden. Hier kann durch die Idee des inneren Teams oder der Helfer und Beschützer jede eigenständige Persönlichkeit so gestärkt werden, dass sie zur Kommunikation und letztendlich Integration bereit ist.

Sicher sind bei der Therapie von dissoziativen Persönlichkeitsstörungen keine sensationellen Erfolge mit einer Kurzzeittherapie von nur wenigen Sitzungen zu erwarten. Aber bei einer ausreichend langen Therapiedauer kann das Trauma überwunden werden, besonders dann, wenn die verschiedenen Persönlichkeiten aktiv daran mitarbeiten. Dazu müssen sie oft gestärkt und mit Ressourcen versehen werden.

Die Vorstellung eines inneren Mentors ist dabei hilfreich, aber auch die Arbeit mit den Lebenskarten hat sich als sehr nützlich erwiesen. So kann jede Persönlichkeit zum Beispiel eine eigene Karte auswählen, die der Therapeut dann den anderen Persönlichkeiten vorstellen kann. So können sich die Persönlichkeiten näher kennen lernen und besser verstehen, was ein erster Schritt  zur völligen Integration ist.

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