Ego State Therapie: Ziele, Nutzen & Schritte

Schon seit langem arbeitet man in der Psychologie mit dem Modell, dass der Mensch nicht nur ein einziges Ich hat, sondern dass in ihm verschiedene Persönlichkeitsanteile unterschiedliche Funktionen wahrnehmen und zu verschiedenen Zeitpunkten zum Einsatz kommen. Dabei gibt es das Bild des Inneren Teams, in dem diese verschiedenen Anteile oder Ego States zusammenarbeiten, um den Alltag und das Leben möglichst gut zu bewältigen.

Bei gesunden Menschen funktioniert diese Zusammenarbeit unter der Steuerung des Ichs sehr gut. Hat ein Mensch jedoch ein schweres Trauma erlitten, so kann es sein, dass sich dadurch ein Ego State entwickelt, der sich nicht mehr in das Innere Team integriert, sondern sich abspaltet und dem bewussten Ich nicht mehr zugänglich ist. Dadurch sind eine echte Überwindung des Traumas und eine Integration des Ego States nicht mehr möglich.

Ziel und Nutzen der Ego State Therapie

Die Ego State Therapie wurde in den 1980er Jahren von Helen und John Watkins begründet und seither kontinuierlich weiter entwickelt. Sie hat das Ziel, das innere System von Persönlichkeitsanteilen vom Stress zu befreien. Dabei ist nicht zwingend eine sofortige völlige Integration des ungesunden Ego States notwendig, wenn ein Modus gefunden werden kann, die betroffenen Anteile besser zu koordinieren. Der abgespaltene Teil kann dann weiter als eigenständiger Anteil bestehen bleiben, verliert aber seine destruktive Auswirkung.

Der Patient wird so in die Lage versetzt, zeitnah ein erfüllenderes Leben zu führen, auch wenn noch keine völlige Integration des Ego States stattgefunden hat und das dahinter stehende Trauma noch nicht komplett bewältigt wurde.

Schritte der Ego State Therapie

In der Ego State Therapie müssen verschiedene Schritte bewältigt werden:

  • Kontaktaufnahme zu dem abgespaltenen Ego State
    Da dieser Ego State bisher überwiegend unbewusst gearbeitet hat, wird häufig Hypnose eingesetzt, um den Kontakt zu diesem Teil aufzunehmen. Der Patient kommuniziert dabei mit dem Anteil wie mit einer eigenständigen Persönlichkeit.
  • Akzeptanz und Informationsgewinnung
    Für die weitere Arbeit ist es wichtig, dass der Patient den bisher als störend empfundenen Teil als wichtigen Bestandteil seiner Persönlichkeit akzeptiert. Dahinter steht die Idee, dass der Anteil ursprünglich zum Schutz des Menschen entstanden ist und er sich nur nicht adäquat an den jetzigen Zustand anpassen konnte. Durch diese Anerkennung der ursprünglich positiven Funktion kann dann ein innerer Dialog entstehen, in dem Informationen über das zugrunde liegende Trauma gesammelt werden können.
  • Nun kann der Patient damit beginnen, den abgespaltenen Ego State zu berücksichtigen, seinen Zweck zu würdigen und auf andere Weise sicher zustellen und ihn schrittweise zu integrieren.

Neben der Ego State Therapie gibt es einige weitere Therapieformen, die mit dem Modell der verschiedenen Persönlichkeitsanteile arbeiten und in der Arbeit mit Traumata eingesetzt werden. So wird in der Psychodynamischen imaginativen Traumatherapie nach Luise Reddemann der abgespaltene Teil als ein Teil angesehen, der beschützt und mit Ressourcen versehen werden muss, damit er sich entwickeln und integrieren kann. Das Modell der Inneren Familie nach Richard C. Schwartz vereint die Ansätze der systemischen Familientherapie mit denen der Persönlichkeitsansätze und zielt ebenfalls darauf ab, die inneren Konflikte zu beseitigen und den abgespaltenen Persönlichkeitsanteil wieder zu integrieren.

Bei diesen Ansätzen zur Integration abgespaltener Teile wird in vielen Therapieformen mit bildlichen Vorstellungen und Affirmationen gearbeitet, da diese Vorgehensweise es den Klienten erleichter, den abgespaltenen Teil zu akzeptieren. Zur Unterstützung der Imagination haben sich die Lebenskarten als sehr hilfreich erwiesen, weil die Klienten spontan sehr gut auf die Visualisierungen ansprechen. Auf diese Weise lässt sich der Assoziationsprozess mit den Lebenskarten anstoßen und unterstützen.

 

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