Hypnotherapie von Milton Erickson – Vorteile & Risiken

Manchmal benötigt selbst das Bewusstsein eine kurze Auszeit vom Alltag. Und so fahren wir die Strecke von unserem Büro nach Hause mit unserem inneren Autopiloten, während wir schönen Tagträumen nachhängen. Die Vertiefung in eine geliebte oder anspruchsvolle Tätigkeit kann uns Ort, Umgebung und Zeit völlig vergessen lassen, und ein besonderer Geruch schickt uns in die Tiefen unserer Erinnerung, und wir vergessen das Hier und Jetzt.

Dieser Zustand einer leichten Trance ist wohl jedem aus unterschiedlichen Kontexten bekannt. Unter einer Trance versteht man den geistigen Zustand, in dem das Bewusstsein nicht mehr nach außen gerichtet ist und das Unbewusste im Zentrum der Aufmerksamkeit und des subjektiven Erlebens steht. In diesem Zustand haben wir Zugriff auf überraschende Erinnerungen, Bilder und Einsichten, die sich dem direkten Zugriff durch das Bewusstsein entziehen.

Trance in der Hypnotherapie

Die Hypnotherapie arbeitet mit diesen Zuständen, in denen der Mensch die Kommunikation mit dem Unbewussten aktiviert hat. Schon Sigmund Freud war sich der Macht des Unbewussten bewusst, aber das erste gezielte System zur Nutzung dieser Ressource hat sicher Milton Erickson entwickelt.

Dem amerikanischen Therapeuten war aufgefallen, dass seine Klienten in diesen Zuständen der leichten Trance oder Versenkung nach innen Zugriff auf Erinnerungen hatten, die ihnen mit dem Bewusstsein verwehrt waren. Darauf studierte er dieses Phänomen intensiver und entwickelte basierend auf seinen Erkenntnissen die Hypnosepsychotherapie.

Vorteile und Risiken der Hypnotherapie

Die Hypnotherapie kann mit einigen Vorteilen aufwarten, birgt aber auch Risiken in sich.

Vorteile:

  • Zugang zu Ressourcen
    Der bestechende Vorteil der Hypnosepsychotherapie ist sicher dieser Zugang zu unbewussten Ressourcen, die über das Bewusstsein nicht erreichbar sind. Der Klient kann so Informationen gewinnen, Stärken entdecken und freilegen sowie Einsichten bekommen, die er ohne die Hypnose nicht bekommen hätte.
  • Umgehung der Filter des Bewusstseins
    Der Mensch speichert unbewusst viel mehr Informationen, als ihm klar ist. Das Bewusstsein setzt nämlich starke Filter ein, damit es sich nur mit relevanten Informationen beschäftigen muss – alles andere wird nicht durch gelassen, sonst wäre es mit der Flut an Informationen schnell überfordert. Diese gefilterten Informationen können aber dennoch sehr wichtig sein, deshalb werden sie in der Therapie durch die Hypnose wieder zum Vorschein geholt. Auch die Justiz bedient sich übrigens in manchen Ländern der Hypnose, um weitere Details von Zeugen zu bekommen.

Nachteile der Hypnotherapie

Einer der größten Vorwürfe an die Hypnose lautet, dass sie unter Umständen falsche Erinnerungen implementiert. Diese Vorwürfe wurden oft im Zusammenhang mit Fällen erhoben, in denen sich die Klienten unter Hypnose an einen Missbrauch in der Kindheit erinnerten, der für sehr unwahrscheinlich gehalten wurde. In der Tat sind Menschen in Trance sehr empfänglich für Suggestionen, so dass der Therapeut seine Instruktionen äußerst sorgfältig formulieren muss.

Zudem besteht das Risiko, dass in der Hypnose der Klient von einem verdrängten emotional sehr intensiven und traumatisierenden Erlebnis überrascht wird, mit dem er nicht richtig umgehen kann. Deshalb ist es wichtig, dass der Klient vor der Hypnose ausreichend Möglichkeiten entwickelt hat, sich selbst aus so einem Zustand zu befreien. Dazu gehören das Bewusstsein einer stabilen inneren Stärke, ein sicherer innerer Rückzugsort und positive Überzeugungen, die Klient und Hypnotherapeut zum Beispiel mit Hilfe der Lebenskarten gefunden und entwickelt haben.

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