Positive Psychotherapie  – Theorie & Praxis

Von vielen Menschen wird der Begriff Psychotherapie besonders in Europa mit sehr negativen Assoziationen verbunden. Berichtet in Amerika jeder Bürger stolz von seinem Psychotherapeuten, so besteht in Europa immer noch eine große Scheu davor zuzugeben, dass man sich einer Psychotherapie unterzieht.

Diese Haltung ist sicher sehr verständlich, konzentriert sich doch die herkömmliche Psychotherapie genau wie die Psychologie auf Defizite, Krankheiten und Schwächen – und wer gibt schon gerne zu, dass er eine psychische Schwäche nicht ohne Hilfe in den Griff bekommt.

Salutogenese – die Basis der Positiven Psychotherapie

Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky hat mit seiner Forschungsrichtung der Salutogenese diesen Ansichten im Grunde genommen die Basis entzogen. Statt nach den Ursachen und Bedingungen für Krankheiten zu forschen, hatte er es sich zum Ziel gesetzt, die Ursachen und Bedingungen für Gesundheit zu ergründen.

Der Neurologe und Psychiater Nosrat Peseschkian hat diesen Gedanken im Bereich der Psychologie aufgegriffen und so seine Positive Psychotherapie entwickelt. Auch er geht von einem positiven Menschenbild aus und unterstützt die Vorstellung, dass jeder Mensch grundsätzlich über genügend Ressourcen verfügt, um ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Aufgabe des Therapeuten ist es, diese Ressourcen zu fördern und freizulegen.

Praxis der Positiven Psychotherapie

Der Fokus der Positiven Psychotherapie ist lösungs- und ressourcenorientiert. Deshalb kommen in der Praxis verschiedene Prinzipien zum Tragen.

  • Prinzip des Reframings
    Die Energie, die in sogenannten psychischen Störungen liegt, wird im Rahmen dieser Therapieform nicht als Feind verstanden, den man bekämpfen muss, sondern als Ressource, die man nutzen kann. So wird eine Störung oder ein unpassendes Verhalten umgedeutet zu einer Stärke, die es nur kontextangemessen einzusetzen gilt.
  • Ganzheitlicher Ansatz
    Die Positive Psychotherapie hat einen systemischen und ganzheitlichen Ansatz und bezieht in der praktischen Anwendung sowohl geistige, körperliche als auch emotionale Aspekte ein. Auch die Beziehungen zur Umwelt und anderen Menschen werden daher berücksichtigt, da ohne diese Einbeziehung ein Therapieerfolg fraglich ist.
  • Hilfe zur Selbsthilfe
    Ausgehend vom positiven Menschenbild eines autonomen und ressourcevollen Individuums ist es das Ziel des Therapeuten, seinen Klienten schnellstmöglich zu befähigen, seine Probleme auch ohne seine Unterstützung allein zu bewältigen. Daher werden auch alle Aktivitäten begrüßt und unterstützt, die helfen können, dieses Ziel zu erreichen. Viele Therapeuten hierfür Lebenskarten ein, weil diese nicht nur in einer therapeutischen Sitzung wertvolle Anhaltspunkte liefern können, sondern auch im ganz normalen Alltag des Klienten Unterstützung zur eigenverantwortlichen Weiterentwicklung bieten können.
  • Das Unbewusste spricht besonders gut auf Bilder, Metaphern und Geschichten an – hier sind neben wiederum den Lebenskarten mit ihren Sprüchen und Bildern Lehrgeschichten wie die von Milton Erickson oder von Nosrat Peseschkian sehr hilfreich. Die Geschichten transportieren auf der unbewussten Ebene hilfreiche und positive Botschaften, die dabei helfen, das Selbstbild und das Weltbild des Klienten positiv zu gestalten.
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