Wie Lebenskarten in Verbindung mit Schematherapie eingesetzt werden

Der Grundgedanke in der Schematherapie ist, dass bestimmte, in Kindheit und Jugend erworbene Annahmen, sogenannte Schemata, das spätere Denk- und Verhaltensmuster steuern. Problematisch wird es dann, wenn diese Annahmen auf negativen Erlebnissen und Erfahrungen beruhen und der Klient einschränkende und destruktive Schemata entwickelt hat.

In der Schematherapie sind Lebenskarten vor allem während des Veränderungsprozesses ein hilfreiches therapeutisches Mittel. Die Karten, die ursprünglich im Rahmen eine Traumatherapie entstanden sind, können dabei helfen, auf negative Denk- und Verhaltensmuster mit positiven Glaubenssätzen und Überzeugungen zu antworten. Die neuen Einsichten können bei ausreichender Wiederholung internalisiert werden und helfen, die bisherigen negativen Schemata zu ersetzen.

Therapiekarten

Die Lebenskarten sind eine Bereicherung für alle, die – ggfs. neben einer Therapie – an sich selbst arbeiten wollen.

Prof. Dr. Luise Reddemann, Nervenärztin und Psychoanalytikerin; entwickelte die Psychodynamisch-Imaginative Traumatherapie (PITT)

Was ist Schematherapie?

Schematherapie ist ein im Jahr 1990 entwickeltes, im Vergleich zu anderen noch recht junges psychotherapeutisches Verfahren. Es verbindet verhaltenstherapeutische Methoden mit Arbeitsweisen aus der psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Therapie und hat sich vor allem bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen und chronischen Depressionen bewährt. Doch auch Paar- und Beziehungsprobleme werden häufig schematherapeutisch behandelt. Ziel ist die Veränderung bzw. Überwindung problematischer Denk- und Handlungsweisen, wobei sich der Blick auch immer wieder auf unbewusste Prozesse und biografische Hintergründe richtet.

Der Grundgedanke in der Schematherapie ist, dass bestimmte, in Kindheit und Jugend erworbene Annahmen das spätere Denk- und Verhaltensmuster steuern. Problematisch wird es dann, wenn diese Annahmen auf negativen Erlebnissen und Erfahrungen beruhen und ein Kind daraufhin Verhaltensweisen entwickelt, die es vor weiteren Erfahrungen dieser Art schützen sollen (z. B. Unterordnung, Aufopferung, Aggressivität oder Flucht durch Betäubung).

Gründe für eine solche Fehlanpassung des Verhaltens sind beispielsweise emotionale Vernachlässigung, mangelnde Anerkennung und Sicherheit, fehlender Raum für Bedürfnisse und Wünsche etc. Doch auch Gegenteiliges, sprich ein Zuviel an Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit, kann zu fehlentwickelten Denk- und Verhaltensmustern führen. Zeigen diese Handlungsweisen Erfolg, verfestigen sie sich in der Regel bis ins Erwachsenenalter. Zu diesem Zeitpunkt ist das betreffende Schema meist so tief in der eigenen Persönlichkeit verankert, dass es als breites durchdringendes Muster das Denken, Fühlen und Handeln bestimmt und die Lebensführung stark beeinträchtigt.

Schematherapie: Der Weg in ein gesundes erwachsenes Leben

Um die problematischen Denk- und Handlungsmuster, die als Bewältigungsstrategie auf ein bestimmtes Schema erworben wurden, zu durchbrechen, sie abzuschwächen und im besten Fall auszuschalten, müssen die früheren schmerzlichen Erfahrungen, die zu dem Fehlverhalten geführt haben, überwunden werden. Hierzu erlernen die Patienten im Laufe der schematherapeutischen Behandlung alternative Verhaltensweisen. Diese sollen ihrem Leben eine neue, gesunde und erwachsene Orientierung geben.

Kennzeichnend für die Schematherapie ist, dass der Patient im gesamten Therapieverlauf über die einzelnen Schritte und Vorgehensweisen der Behandlung informiert ist. Identifizierung und Benennung der Schemata bilden zunächst den Schwerpunkt in der ersten Phase der Behandlung. Zielführend ist hierbei der Blick auf die aktuelle Problematik und in diesem Zusammenhang die Frage nach konkreten Auslösern für das hinderliche Verhalten. Es geht vor allem darum, dass der Patient seine eigene Entwicklung zu verstehen beginnt und sie im Kontext der aktuellen Probleme begreift. Vom Therapeuten angenommene Schemata werden erst bearbeitet, wenn sie vom Patienten selbst bestätigt wurden.

Über erlebnisaktivierende Methoden, z. B. Imaginationsübungen und Rollenspiele, erfolgt in der zweiten Phase der Therapie der eigentliche Veränderungsprozess. Hierbei übernimmt der Therapeut unter anderem auch die elterlichen Funktionen, die in der Entwicklung des Patienten fehlten. Auf diesem Weg kann das schmerzlich Erlebte verarbeitet werden und der Patient lernt Schritt für Schritt, die Kontrolle über sein schemabedingtes Verhalten zu gewinnen. Ziel des Prozesses ist, dass er problematischen Situationen zukünftig mit einer gesunden und erwachsenen Haltung begegnen kann.

In der Schematherapie sind Lebenskarten vor allem während des Veränderungsprozesses ein hilfreiches therapeutisches Mittel.

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