Systemische Pädagogik – Erklärungen und Material

Systemische Pädagogik berücksichtigt, dass jeder Mensch Teil eines Systems ist, welches ihn beeinflusst und umgekehrt. Im Gegensatz dazu hat sich Pädagogik sehr lange Zeit auf das Individuum konzentriert. In früheren Zeiten geschah das in der Form, dass möglichst jeder Schüler den gleichen Wissensstand erwerben sollte – das Ziel war ein ideales standardisiertes Individuum. Pädagogische Prinzipien waren eher starr und wurden unter Umständen auch mit Gewalt durchgesetzt.

Bei der Weiterentwicklung der pädagogischen Grundsätze bezog man dann im Lauf der Zeit immer mehr individuelle Aspekte mit ein. Die Schüler wurden als Einzelpersonen mit unterschiedlichen Stärken und Talenten wahrgenommen, die zudem auf unterschiedliche Arten lernen. Man versuchte zunehmend, dem im Unterricht Rechnung zu tragen. Aber nach wie vor lag (beziehungsweise liegt) der Fokus auf der einzelnen Person.

Die systemische Pädagogik hingegen versucht zu berücksichtigen, dass jeder Mensch immer auch Teil eines Systems ist, welches ihn beeinflusst und umgekehrt. So sollte bei den pädagogischen Grundsätzen und Strategien immer auch der Gedanke an die Interaktionen der einzelnen Schüler mit der Gruppe, der Umgebung und den Lehrenden berücksichtigt werden.

Begriffe im Rahmen der systemischen Pädagogik

Die systemische Pädagogik stützt sich in ihrem Denken und Handeln auf bestimmte wichtige Begriffe aus der Systemtheorie.

  • Prinzip der Zirkularität
    In einem System beeinflussen sich alle Elemente eines Systems gegenseitig, es gibt also vielfältige Wechselwirkungen. So beeinflusst nicht nur der Lehrer die Schüler, sondern diese umgekehrt auch ihn und die anderen Schüler.
  • Mehrschichtige Kommunikation
    Bei der Kommunikation kommen verschiedene Elemente zum Tragen, die das Ergebnis des kommunikativen Prozesses beeinflussen. So ist neben der inhaltlichen Sachebene die Beziehungseben wichtig, die für das Verständnis des Dargebotenen sogar unerlässlich ist. In einem gut funktionierenden pädagogischen System sollte sich jeder seines Beitrags in der Kommunikation daher genau bewusst sein.
  • Ressourcenorientierung
    In der systemischen Pädagogik wird das Augenmerk auf die Ressourcen gerichtet, die vorhanden sind und zu Wachstum, Lernen und Entfaltung genutzt werden können. Dabei werden nicht nur die individuellen Ressourcen berücksichtigt, sondern auch das Potenzial, welches sich aus dem Zusammenspiel in der Gruppe ergeben kann.
  • Selbstverantwortung verschiedener Elemente
    In klassischen pädagogischen Ansätzen übernahm der Lehrer die Verantwortung für den Lernerfolg. In der systemischen Pädagogik hingegen ist diese Verantwortung auf verschiedene Elemente verteilt, so dass auch der Schüler als eigenverantwortlich angesehen wird.

Perspektiven der systemischen Pädagogik

Da dieser Ansatz in der Pädagogik noch relativ jung ist und noch nicht einmal eine einheitliche Definition existiert, wird sich in den kommenden Jahren sicherlich viel Bewegung in diesem Bereich zeigen. Die Rollenverhältnisse von Schülern und Lehrern müssen hinterfragt werden, auch die Entwicklung geeigneter Lernumgebungen ist sicher eine große Aufgabe, die das traditionelle Schulumfeld bewältigen muss.

Auch im Bereich der eingesetzten Methoden wird sicherlich noch viel Neues hinzukommen. Die Instrumente müssen flexibler werden, wenn sie den systemischen Ansatz unterstützen sollen, wie es zum Beispiel das Mind-Mapping oder auch die Lebenskarten tun. Beide Instrumente fördern das freie Assoziieren und zeigen Verbindungen auf, die für Wachstum und Lernen wichtige Elemente sind.

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