Gestalttherapie zur Behandlung von Traumata

Die Gestalttherapie kann schon auf eine längere Geschichte zurück blicken. Sie wurde ursprünglich in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von Fritz und Laura Perls sowie Paul Goodman entwickelt. Seit der Zeit haben sich verschiedenen Schulen und Ansätze entwickelt, die sich aber alle an den zentralen Begriffen der Gestalttherapie orientieren.

Zentrale Gedanken der Gestalttherapie

In der Gestalttherapie geht man davon aus, dass es keine isolierten Wahrnehmungen gibt, sondern dass alle Wahrnehmungen und der dazugehörige Kontext ein größeres Ganzes ergeben, eine Gestalt. Je nach gerade vorherrschenden Bedürfnissen treten dabei unterschiedliche Gestalten in den Vordergrund des Bewusstseins. Das Ziel der Gestalttherapie ist es, den Klienten dabei zu unterstützen, sich dieser Gestalten bewusst zu werden und Blockaden aufzulösen, die ihn daran hindern, sein Potenzial voll zu entfalten.

Dabei konzentrieren sich der Therapeut und der Klient darauf, was gerade im Hier und Jetzt geschieht. Der Klient soll mit gesteigerter Konzentration darauf achten, was er gerade tut, wahrnimmt und empfindet, inklusive seiner Beziehung zum Therapeuten. Es gibt also keine Spekulationen darüber, was gewesen ist, sein könnte oder sollte, sondern nur aktuelle Phänomene werden untersucht.

Die vier Säulen der Gestalttherapie

Die Gestalttherapie stützt sich auf vier zentrale Säulen.

  • Phänomenologische Methode
    In der Gestalttherapie geht es darum, sich wieder auf tatsächliche Wahrnehmungen zu konzentrieren und unvoreingenommene Erfahrungen zu machen, die nicht mit Erwartungen, Vorannahmen und Vorurteilen befrachtet sind. Diese Unvoreingenommenheit ist die Haltung des Therapeuten, der aber auch seinem Klienten dabei hilft, seine Erfahrungen nur zu beschreiben und sie nicht zu erklären, zu bewerten oder zu interpretieren.
  • Dialogische Methode
    Der Therapeut sieht sich als partnerschaftlichen Begleiter seines Klienten, der authentisch und aus seiner echten Identität heraus handelt und agiert. Deshalb werden notwendige Schritte gemeinsam mit dem Klienten entwickelt, der Therapeut ist nicht der Experte, der alle Lösungen parat hat. Auch akzeptiert der Therapeut die aktuelle Haltung seines Klienten zu ihm und der Therapie, ohne diese zu bewerten oder zu kritisieren.
  • Feldtheoretische Strategien
    Kein Mensch lebt in einem luftleeren Raum. Jeder hat sein eigenes Feld, seine eigene Umwelt, in der er lebt und an die er versucht, sich bestmöglich anzupassen. Das Feld umfasst dabei sowohl die physische Umwelt, als auch die soziale sowie mentale Vorgänge in Bezug auf den Austausch mit der Umwelt. Das Ziel der Gestalttherapie ist es, das Bewusstsein für diesen Austausch zu fördern, automatisierte Reaktionen zu erkennen und zu unterbrechen und flexible neue Reaktionsmöglichkeiten zu erlernen.
  • Existentialistischer Ansatz
    Unter diesem Ansatz verstehen die Gestalttherapeuten die Tatsache, dass sich jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit schafft und dafür die Verantwortung übernehmen muss. Der Mensch ist für seine Handlungen, Gedanken und Reaktionen verantwortlich, wenn er auch vieles in seinem Umfeld nicht direkt beeinflussen kann. Im Rahmen dieser Verantwortlichkeit kann der Therapeut den Klienten zu Experimenten auffordern, um zu spüren, wie sich eine neue Reaktion anfühlt, anstatt nur darüber zu reden.

Gestalttherapie und Traumata

Der ganzheitliche Ansatz der Gestalttherapie betrachtet auch das Trauma als eine komplexe Gestalt, die in ihrem gesamten Kontext wahrgenommen werden muss. Dabei wird der Therapeut dem Klienten helfen, die durch das Trauma verletzten Bedürfnisse und Grenzen wieder zu entdecken und neu zu gestalten.

Die Gestalttherapie arbeitet dabei nicht nur mit dem kognitiven Ansatz, sondern auch mit dem Einsatz von körperlichen Übungen und dem Eintauchen in gefühlsmäßig intensive Zustände. Daher muss der Therapeut bei der Traumatherapie darauf achten, dass der Klient das Trauma nicht zu heftig erlebt, sondern eine gewisse Distanz beibehält. Dies kann zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass der Klient das Trauma wie eine Person auf einem leeren Stuhl anspricht.

Es werden auch die bisherigen Überzeugungen hinterfragt, die der Klient aufgrund des Traumas entwickelt hat. So kann es zum Beispiel bei Missbrauch der Fall sein, dass der Klient die Überzeugung entwickelt hat, wertlos und schutzlos zu sein. Gemeinsam mit dem Therapeuten erkundet der Klient nun, wie sich diese Überzeugung auswirkt und wie er sie ändern kann. Dazu kann er zum Beispiel mit den Lebenskarten an positiven Gedanken über sich selbst arbeiten.

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