Wie Lebenskarten in Traumatherapie eingesetzt werden können

Wenn ein Mensch ein Trauma erleidet, so stellt sich oft die sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung ein. Ein Trauma kann dann entstehen, wenn ein Mensch in einer Situation gefangen ist, die mit intensiven negativen Gefühlen belegt ist, die er in dem Moment nicht verarbeiten kann. Diese unverarbeiteten Emotionen und Gedanken führen dann zu einer starken Belastung.

Das Ziel jeder Traumatherapie ist es, dieses manchmal verschüttete Erlebnis ans Licht zu holen und zu verarbeiten. Dazu benutzt man verschiedene Methoden. Auch die Lebenskarten, welche ursprünglich auch im Rahmen einer Traumatherapie entstanden sind, werden heutzutage oft in Verbindung mit PITT, für die EMDR Ressourcenarbeit oder in der Gestalttherapie eingesetzt. Viele der Karten haben einen direkten Bezug zu traumatischen Erlebnissen und bieten aus dieser Position einen Blick nach vorn. Andere Therapeuten hingegen verwenden die Karten als Mut machendes Werkzeug oder Geschenk für ihre Klienten.

Therapiekarten

Die Lebenskarten sind eine Bereicherung für alle, die – ggfs. neben einer Therapie – an sich selbst arbeiten wollen.

Prof. Dr. Luise Reddemann, Nervenärztin und Psychoanalytikerin; entwickelte die Psychodynamisch-Imaginative Traumatherapie (PITT)

Weitere Infos zur Traumatherapie – Definition & Therapieansätze

Wenn ein Mensch ein Erlebnis hat, welches ihn emotional besonders erschüttert, so kann dies dazu führen, dass er dabei eine so tiefe psychische Verletzung erleidet, dass diese auch langfristig unangenehme Folgen zeigt. Ein solches Erlebnis hat oft etwas mit Gewalt, Angst und Verletzungen zu tun – so kann ein Trauma durch einen massiven körperlichen Übergriff entstehen, durch eine Naturkatastrophe, einen psychischen Übergriff wie Folter oder Geiselnahme oder aber durch einen Unfall, bei dem ernsthafte Verletzungen entstanden oder zumindest befürchtet wurden.

Dieses Erlebnis war so intensiv, dass dem betroffenen Menschen keine Möglichkeit zur Verfügung stand, das Geschehen angemessen zu verarbeiten. Die psychische Verletzung bleibt also bestehen und kann nicht ausheilen, was auf Dauer gravierende Folgen haben kann.

Traumafolgen

Der traumatisierte Mensch versucht im Normalfall, alle Gedanken an das Erlebnis zu vermeiden und das Thema möglichst aus dem Bewusstsein zu verdrängen. Dazu vermeidet er auch alle Situationen und Reize, die die Erinnerung auslösen könnten. Auf der anderen Seite kommt es dann immer wieder zu sogenannten Flashbacks, bei denen intensive Bilder und Gefühle den Geist überfluten und regelrechte Panikattacken auslösen können.

Wenn diese Symptome über längere Zeit anhalten, so spricht man von einer posttraumatischen Belastungsstörung, die sich üblicherweise nicht mehr von selbst zurück bildet und am besten in einer professionellen Therapie behandelt wird.

Verschiedene Ansätze bei der Traumatherapie

Das Ziel aller traumatherapeutischen Verfahren  ist es, eine Verarbeitung und Integration des Erlebten zu unterstützen, damit die psychische Verletzung ausheilen kann und der Mensch wieder in einen stabilen Zustand zurück findet. Dabei gibt es mehrere Ansätze je nach psychotherapeutischer Schule, die entweder eher mit den bewussten oder unbewussten Persönlichkeitsanteilen arbeiten. Hier einige Beispiele:

  •  Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (PITT)
    Dieses von Luise Reddemann entwickelte Verfahren basiert auf dem Modell der unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile, die wie ein inneres Team miteinander in Kontakt treten sollen. Die verletzten inneren Anteile werden imaginativ an einen sicheren Ort gebracht. Imaginationsübungen helfen zur Stressreduzierung und schützen vor Gefühlsüberflutung. PITT ist eine eher sanfte Therapie, Stabilisierung und Ressourcenaktivierung sollen die verletzten inneren Anteile so stärken, dass sie in die Lage versetzt werden, nach und nach das traumatische Geschehen zu verarbeiten und zu gesunden.
  • Ego-State-Therapie
    Die Ego-State-Therapie arbeitet ebenfalls mit der Vorstellung, dass der Mensch in sich verschiedene Persönlichkeitsanteile oder Ego States hat, die im Normalfall miteinander kommunizieren. Bei einem Traum hat sich jedoch der traumatisierte Teil abgespalten und die Kommunikation mit diesem Teil ist unterbrochen. Die Ego- State- Therapie hat das Ziel, den Kontakt zu diesem Teil wieder her zu stellen, damit das Trauma danach bearbeitet werden kann. Diese Kontaktaufnahme wird oft unter Hypnose durchgeführt, da der Teil sich dem Bewusstsein oft entzieht.
  • Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)
    Bei der EMDR Methode sollen durch gezielt stimulierte  Augenbewegungen die beiden Gehirnhälften synchronisiert werden. Nach einem Trauma erleben die Betroffenen  zwar die Gefühle wieder und sehen die Bilder erneut, aber sie sind dabei in sprachlosem Entsetzen gefangen und nicht imstande, zur besseren Verarbeitung das Geschehen auch in Worte zu fassen. Durch die gezielte Stimulation beider Gehirnhälften durch bestimmte Augenbewegungen kann  Angst verringert  und eine Integration des Erlebten gefördert werden.
  • Gestalttherapie
    Die Gestalttherapie hat einen ganzheitlichen Ansatz und geht davon aus, dass sich Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen nicht getrennt betrachten und bearbeiten lassen. Das Konzept der Gestalt bezieht sich auf die Suche nach einem umfassenden Sinn, der Ereignissen und Verhaltensweisen sowie Reaktionen gegeben werden soll. In der Behandlung von Traumata mittels der Gestalttherapie soll der Klient seine eigenen Grenzen und Bedürfnisse wieder wahrnehmen sowie das traumatisierende Geschehen in einen größeren Zusammenhang stellen, um letztendlich eine sinnvolle Einordnung und Bewältigung des Geschehens vorzunehmen.
  • Erzählende Verfahren
    Die narrativen Verfahren gehen davon aus, dass ein wiederholtes Erzählen des Erlebten Stück für Stück das Geschehen wieder zusammensetzt, es in einen größeren Zusammenhang stellt und in die Lebensgeschichte integriert. Dadurch sollen die starken Emotionen und körperlichen Reaktionen sukzessive abgebaut und geschwächt werden, so dass der Klient wieder in einen gesunden und stabilen Zustand zurück findet.

Diese und viele weitere Verfahren haben zum Ziel, dass traumatische Erlebnisse integriert werden können. Dabei bedient man sich verschiedener Methoden, auch in Verbindung mit anderen hilfreichen Werkzeugen, wozu auch die Arbeit mit den Lebenskarten gehören kann. Sie sind im Laufe einer Traumatherapie  durch Luise Reddemann entstanden. Die Lebenskarten können dazu helfen, den Glauben an sich und die eigenen Ressourcen wieder aufzubauen. Sie stabilisieren und leiten an zur Selbstfürsorge, vor allem für die verletzten inneren Anteile bzw. für das “verletzte innere Kind“. Sie haben sich als nützliches und hilfreiches Werkzeug in verschiedenen Therapiefomen erwiesen.

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